Sonntag, 15 Uhr im Rostocker Bahnhofsviertel
Posted in Nachtgedanken on Juli 6th, 2008 by viereck – Be the first to commentHeute früh, gegen 15 Uhr, als ich nach ner langen, alkohol- und erlebnisreichen Nacht aufstand und mir nen Kaffee machte, überkam mich der Drang ein paar Gedanken auf Papier zu bringen, die sich mir schon seit längerem durch meine Hirnwindungen kräuseln.
Das ist Version 0.2.
Die Wege ins Unglück sind mannigfaltig. Der Teufel steckt im Detail. Die vielen Wünsche und Erwartungen in den Wirrungen unseres Geistes werden zum großen Teil unerfüllt bleiben. Dann sind wir enttäuscht. Das ist eigentlich was gutes. Im Wort Ent-Täuschung steckt die Krux schon drin. Die Täuschung, der wir erlagen, wird zerrüttet, wir werden mit der Realität konfrontiert. Einer Realität, die uns häufig als kalt, böswillig und fast unerträglich erscheint.
Doch diese Realität, die wir erleben, ist ein Konstrukt in unserem Kopf. Unsere Erwartungen und Erfahrungen erzeugen dort ein Trugbild einer Wahrheit, die wir als absolut empfinden. Logisch, denn niemand außer wir selbst kann das dort erlebte gegenchecken, prüfen, auf Fehler absuchen und korrigierend eingreifen.
“What we think, we become.” - “Was wir denken, werden wir.”, dieser Ausspruch Buddhas umschreibt all dies. Das Darlehen an Geschehnisse in der Zukunft, das wir durch unser Denken - unser Vorausdenken - aufnehmen, wird Teil unseres Selbst und beeinflusst unsere Gegenwart. Wir bewegen uns in einem Varieté selbst erfüllender Prophezeiungen, wenn wir glauben zu wissen was passieren kann, und schlimmer noch: was passieren wird.
Anstatt in der Vergangenheit zu kramen um erahnen zu können was passieren kann und zu versuchen, die Zukunft vorauszuplanen oder wenigstens zu antizipieren, sollten wir vielleicht eher unser Bewusstsein darauf lenken, was gerade ist.
Das Leben im Moment, das Schauen was gerade passiert und was gerade ist, befreit vom Aufbau all jener Täuschungen, die unseren Geist blenden und unser Leben bestimmen. Unsere Realität ist ein Tunnelblick durch das, was wir für wirklich erachten und als wahrhaftig empfinden.
Wollen wir uns wirklich selbst gewählt und freiwillig unseren Weg ins Unglück ebenen?
Ich will das nicht!
